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Sigehard, der fünfundvierzigste Abt  (1167 bis 1198)

Mit dem Tode des über alles Lob erhabenen Abtes Heinrich (28. September 1167 um die 10. Stunde) schien alles Leben aus dem Kloster gewichen zu sein. Heinrich wußte vermöge seiner geistigen Kraft das schon wankende Gebäude zu halten; da ihm aber kein ähnlicher Abt folgte, mußte das Kloster geistig wie materiell zu Grunde gehen.

Heinrichs Nachfolger, Sigehard, wurde aus dem Kloster Hirsau noch Lorsch berufen. Er war von vornehmer Herkunft, besaß aber nicht die Eigenschaften  seines großen Vorgängers. Durch seine Verwandtschaft mit dem Erzbischofe Konrad von Mainz und dem späteren Herzog von Bayern gewordenen, Pfalzgrafen Otto erlangte er 1179 von Pabst Alexander III. ein ausgedehntes Privelegium, in welchem der Pabst dem Kloster seinen besonderen Schutz zusagt, allen Besitz der Klöster in Lorsch, Altenmünster, Abrahamsberg, Michelstadt, Kapellen und Neuburg bestätigte. Ferner schärfte der Pabst ein, Niemand dürfe die Klostergüter mit dem Zehnten belasten; es solle auch dem Kloster erlaubt sein, Geistliche und Laien, welche der Welt entsagen wollen, aufzunehmen; bei einem über das Land verhängten Interdicte dürften sie Gottesdienst halten, jedoch bei verschlossener Thüre und ohne Glockengeläute. Dem Abte selbst schärfte der Pabst eine getreue  Verwaltung nach Innen und Außen ein und drohte mit dem Banne denen, welche  das Kloster in irgend einer Weise behelligten oder beeinträchtigten. Außerdem gestattete er auf Bitten des Cardinals Petrus und des Pfalzgrafen Otto dem Abte und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra und des Ringes.

Hier bricht leider die Lorscher Chronik ihre Erzählung ab; sehr spärlich werden von nun an die Nachrichten über das Kloster und seine Geschicke. Doch ist es möglich, aus verschiedenen Geschichtswerken einige Berichte über das Kloster zusammenzutragen.

In welchem Jahre Sigehard gestorben, wissen wir nicht; er lebte aber noch im Jahre 1198. Sein Todestag fällt auf den 14. Juli, an welchem Tage nach seiner Bestimmung alljährig eine kleine Summe von den Zehnten zu Handschuhsheim den Brüdern zufiel.

Nach Sigehards Tod stand das Kloster eine Zeit lang verwaist; dem Bischofe Lupold von Worms wurde inzwischen die Aufsicht übertragen, die er bis zur Ankunft des neuen Abtes Konrad behielt.

Anmerkung: Leider sind die Anmerkungen  zum Jahre 1198 und zur Verwaltung des Klosters durch den Bischof von Worms (Randnummern 127 und 128) in der Publikation zerstört diese Seiten bis zur Randnummer 137 fehlen.

Quelle und Zitat aus: Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch von Franz Falk, Mainz 1866

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